
Was ist ein Facharzt und wie wird man es in Deutschland?
Der Begriff "Facharzt" ist in Deutschland eine gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung. Sie darf nur von Personen geführt werden, die eine entsprechende Anerkennung durch die zuständige Landesärztekammer erhalten haben. Der Weg dorthin ist lang und anspruchsvoll. Am Anfang steht das Medizinstudium, das in Deutschland in der Regel sechs Jahre und drei Monate dauert und mit dem Staatsexamen abschließt. Erst nach Erhalt der Approbation – der staatlichen Erlaubnis zur selbstständigen Ausübung des Arztberufes – beginnt der eigentliche Weg zur fachärztlichen Spezialisierung.
Diese Phase wird als Weiterbildungszeit bezeichnet. Während dieser Zeit arbeitet der Mediziner als "Assistenzarzt" oder "Arzt in Weiterbildung" in einer Klinik oder einer zur Weiterbildung befugten Arztpraxis. Diese Phase dauert je nach Fachrichtung zwischen fünf und sechs Jahren. In dieser Zeit ist der Assistenzarzt nicht mehr an der Universität, sondern steht mitten im klinischen oder ambulanten Alltag. Er arbeitet unter der direkten Anleitung und Aufsicht von erfahrenen Fachärzten und Chefärzten.
Um die Facharztprüfung ablegen zu dürfen, muss der angehende Facharzt einen streng definierten Leistungskatalog (das sogenannte Weiterbildungs-Logbuch) lückenlos abarbeiten und nachweisen. In diesem Logbuch wird exakt dokumentiert, wie viele Ultraschalluntersuchungen, Operationen, Narkosen, Patientengespräche oder therapeutische Eingriffe der Arzt unter Aufsicht durchgeführt hat. Erst wenn dieser Katalog vollständig erfüllt ist und der weiterbildungsbefugte Ausbilder die Reife bescheinigt, erfolgt die Zulassung zur Facharztprüfung vor der Landesärztekammer. Diese anspruchsvolle mündliche Prüfung dauert meist zwischen 30 und 45 Minuten. Erst nach dem erfolgreichen Bestehen dieser Prüfung wird die Facharzturkunde verliehen, und der Mediziner darf sich offiziell als Facharzt bezeichnen und eine eigene Kassenpraxis eröffnen oder als Oberarzt in einer Klinik arbeiten.
Das deutsche Facharztsystem sichert somit ein weltweit anerkanntes, extrem hohes Qualitätsniveau in der medizinischen Versorgung. Es stellt sicher, dass Sie als Patient bei einer spezifischen oder schwerwiegenden Erkrankung von einem Experten behandelt werden, der über jahrelange praktische Erfahrung und fundiertes Spezialwissen verfügt. Zudem besteht die Möglichkeit, nach der Facharztausbildung weitere Zusatzbezeichnungen zu erwerben, wie zum Beispiel Sportmedizin, Notfallmedizin, Allergologie oder Palliativmedizin, was die Spezialisierung noch weiter verfeinert.
Die wichtigsten Facharztrichtungen im detaillierten Überblick
In der Bundesrepublik Deutschland gibt es über 30 verschiedene medizinische Fachgebiete. Für Patienten ist es wichtig, die häufigsten Facharztarten und deren genaue Zuständigkeiten zu kennen, um im Krankheitsfall schnell den richtigen Ansprechpartner zu finden. Wir stellen Ihnen die relevantesten Fachrichtungen ausführlich vor:
1. Allgemeinmedizin (Hausarzt / Hausärztin)
Der Facharzt für Allgemeinmedizin deckt die hausärztliche Grundversorgung ab. Er ist der primäre Lotse im deutschen Gesundheitssystem. Allgemeinmediziner sind breit aufgestellt und behandeln Patienten aller Altersgruppen bei fast allen gesundheitlichen Fragestellungen. Zu ihren Aufgaben gehören die Akutdiagnostik (z. B. bei Infekten, Schmerzen oder Verletzungen), das langfristige Management chronischer Erkrankungen (wie Diabetes mellitus, COPD oder Bluthochdruck), die Durchführung von Vorsorgeuntersuchungen (z. B. der Check-up 35) sowie die Koordinierung der Behandlung mit spezialisierten Fachärzten. Der Hausarzt sammelt alle Befunde und behält den Überblick über Ihre Gesamtgesundheit.
2. Innere Medizin (Internist / Internistin)
Die Innere Medizin befasst sich mit der Vorbeugung, Diagnostik, Behandlung sowie Rehabilitation von Erkrankungen der inneren Organe (wie Herz, Lunge, Nieren, Magen-Darm-Trakt, Blut und Gefäße). Da dieses Feld riesig ist, unterteilt sich die Innere Medizin in zahlreiche hochspezialisierte Schwerpunkte, die eigene Facharzttitel oder Zusatzbezeichnungen darstellen:
- 1Kardiologie: Der Spezialist für das Herz-Kreislauf-System. Kardiologen behandeln Erkrankungen wie Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche (Herzinsuffizienz), koronare Herzkrankheit, Herzklappenfehler und Bluthochdruck. Sie nutzen komplexe Diagnostik wie Ultraschall (Echokardiographie), Belastungs-EKG und Herzkatheteruntersuchungen.
- 2Gastroenterologie: Der Experte für den gesamten Magen-Darm-Trakt sowie für Leber, Gallenblase und Bauchspeicheldrüse. Zu den Hauptaufgaben gehören Magen- und Darmspiegelungen (Endoskopie), die Früherkennung von Darmkrebs sowie die Behandlung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa).
- 3Pneumologie (Lungenheilkunde): Fokussiert auf Erkrankungen der Lunge und der Atemwege. Pneumologen behandeln chronische Bronchitis, Asthma bronchiale, COPD, Lungenentzündungen, Schlafapnoe und Lungenkrebs.
- 4Endokrinologie und Diabetologie: Spezialisiert auf den Hormonhaushalt und Stoffwechselerkrankungen. Dazu gehören Erkrankungen der Schilddrüse (Unter- oder Überfunktion, Hashimoto), der Nebennieren, der Hirnanhangdrüse sowie die Betreuung von Diabetes-Patienten (Typ 1 und Typ 2).
- 5Nephrologie (Nierenheilkunde): Zuständig für alle Erkrankungen der Nieren, Nierenbeckenentzündungen, Nierenversagen und die Betreuung von Dialysepatienten.
- 6Hämatologie und Onkologie: Der Spezialist für Krebserkrankungen (Tumore) sowie für bösartige Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems (Leukämie, Lymphome). Onkologen planen und überwachen Chemotherapien, Immuntherapien und koordinieren Krebsbehandlungen.
3. Kinder- und Jugendmedizin (Pädiatrie)
Kinderärzte begleiten die körperliche, geistige und psychische Entwicklung von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr. Ein zentraler Schwerpunkt der Pädiatrie liegt auf der Prävention: Hierzu gehören die gesetzlich geregelten U-Untersuchungen (U1 bis U9) sowie die Jugenduntersuchungen (J1 und J2), bei denen Entwicklungsverzögerungen oder Krankheiten frühzeitig erkannt werden sollen. Zudem führen Kinderärzte die Schutzimpfungen gemäß den Richtlinien der Ständigen Impfkommission (STIKO) durch.
4. Orthopädie und Unfallchirurgie
Dieses Fachgebiet widmet sich dem gesamten Stütz- und Bewegungsapparat des Menschen. Dazu zählen Knochen, Gelenke, Muskeln, Sehnen, Bänder und die Wirbelsäule. Orthopäden behandeln degenerative Verschleißerscheinungen (wie Arthrose, Osteoporose, Bandscheibenvorfälle) sowie angeborene Fehlstellungen. Die Unfallchirurgie hingegen konzentriert sich auf die Behandlung von akuten Verletzungen des Bewegungsapparats nach Unfällen (Knochenbrüche, Bänderrisse, Sportverletzungen). Viele Fachärzte arbeiten operativ in Kliniken und führen Gelenkersatz-Operationen (Endoprothetik) durch.
5. Gynäkologie und Geburtshilfe
Frauenärzte und Frauenärztinnen sind Experten für die weiblichen Geschlechtsorgane, die Fortpflanzung und die Brustgesundheit der Frau. Wichtige Aufgaben sind die jährliche Krebsvorsorge (Abstrich, Brustabtastung), die Beratung zu Verhütungsmethoden, die Begleitung bei unerfülltem Kinderwunsch sowie die engmaschige medizinische Betreuung während der Schwangerschaft, der Geburt und im Wochenbett.
6. Neurologie
Der Neurologe befasst sich mit den organischen Erkrankungen des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark), des peripheren Nervensystems und der Skelettmuskulatur. Typische neurologische Erkrankungen sind Schlaganfälle, Multiple Sklerose, Parkinson-Krankheit, Epilepsie, Migräne, Polyneuropathien und Demenzerkrankungen (wie Alzheimer). Neurologen nutzen hochentwickelte apparative Diagnostik wie EEG (Messung der Gehirnströme) oder EMG (Messung der Muskelströme).
7. Psychiatrie und Psychotherapie
Im Gegensatz zum Neurologen befasst sich der Psychiater mit seelischen (psychischen) Störungen und Erkrankungen. Da er ein Medizinstudium absolviert hat, darf er im Gegensatz zu rein psychologischen Psychotherapeuten Medikamente (wie Antidepressiva oder Neuroleptika) verschreiben. Typische Behandlungsfelder sind schwere Depressionen, Angst- und Panikstörungen, Schizophrenie, Suchterkrankungen, bipolare Störungen sowie das Burnout-Syndrom.
8. Dermatologie und Venerologie
Hautärzte sind auf die Haut, die Haare, die Nägel sowie die sichtbaren Schleimhäute spezialisiert. Zudem umfasst ihr Gebiet die Venerologie (Geschlechtskrankheiten). Dermatologen behandeln chronische Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Schuppenflechte (Psoriasis), Akne und Allergien. Ein extrem wichtiger Bereich ist die Hautkrebsvorsorge (Hautkrebs-Screening) zur Früherkennung des malignen Melanoms.
9. Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (HNO)
HNO-Ärzte sind zuständig für Erkrankungen, Verletzungen und Funktionsstörungen der Ohren, der Nase, der Nasennebenhöhlen, der Mundhöhle, des Rachens und des Kehlkopfes. Typische Beschwerden sind Hörstörungen, Tinnitus, Schwindelerkrankungen, chronische Nebenhöhlenentzündungen und Mandelentzündungen.
10. Augenheilkunde
Der Augenarzt (Ophthalmologe) behandelt Funktionsstörungen des Sehvermögens sowie Erkrankungen des Auges und der Augenanhangsgebilde. Er verordnet Brillen und Sehhilfen und behandelt Krankheiten wie den Grauen Star (Katarakt), den Grünen Star (Glaukom) oder altersbedingte Netzhauterkrankungen.
11. Urologie
Urologen behandeln Erkrankungen der Nieren und der harnableitenden Organe bei Männern, Frauen und Kindern. Zudem sind sie die Spezialisten für die männlichen Geschlechtsorgane (Prostata, Hoden, Samenblasen). Ein wesentlicher Teil ihrer Arbeit ist die Krebsvorsorge und Krebstherapie beim Mann, insbesondere Prostatakrebs.
12. Radiologie
Radiologen sind diagnostische Experten. Sie behandeln Patienten meist nicht dauerhaft, sondern erstellen bildgebende Aufnahmen des Körperinneren, um anderen Ärzten eine präzise Diagnose zu ermöglichen. Zu ihren Werkzeugen gehören klassisches Röntgen, Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT) und Mammographie.
Wie finde ich den passenden Facharzt für meine Beschwerden?
Wenn Sie gesundheitliche Beschwerden haben, stehen Sie oft vor der Frage, welcher Facharzt der richtige ist. Der sicherste und effizienteste Weg führt fast immer über Ihre Hausarztpraxis. Der Hausarzt kann Ihre Symptome im Rahmen einer ersten Untersuchung einordnen und beurteilen, ob ein Spezialist hinzugezogen werden muss. Zudem kann er wichtige Voruntersuchungen (wie ein Blutbild oder ein EKG) direkt durchführen. Dies spart Zeit, da der Facharzt dann bereits auf diesen Befunden aufbauen kann und keine doppelten Untersuchungen durchführen muss.
Erachtet Ihr Hausarzt den Besuch bei einem Spezialisten für notwendig, stellt er Ihnen eine Überweisung aus. Auf dieser Überweisung sind die Verdachtsdiagnose und der genaue Behandlungsauftrag vermerkt. Für bestimmte Fachärzte (wie Radiologen oder Laborärzte) ist eine Überweisung gesetzlich zwingend vorgeschrieben. Bei anderen Fachärzten ist sie zwar formal nicht vorgeschrieben, wird von den Praxen aber dringend empfohlen oder sogar verlangt. Nur so ist ein strukturierter Informationsfluss gewährleistet, da der Facharzt nach der Untersuchung einen Befundbericht an Ihren Hausarzt sendet.
Für die Suche nach einer geeigneten Facharztpraxis in Ihrer Nähe können Sie das moderne und benutzerfreundliche Ärzteverzeichnis von MedZent nutzen. Unter `/de/doctors` können Sie gezielt nach Fachgebieten und Städten filtern. Dies erleichtert Ihnen die Suche nach Ärzten in Großstädten wie Berlin, Hamburg, München oder Köln sowie in kleineren Gemeinden erheblich. In den Profilen finden Sie wichtige Kontaktdaten, Adressen, Sprechzeiten sowie nützliche Zusatzinformationen wie Fremdsprachenkenntnisse des Praxisteams oder Barrierefreiheit der Praxisräume.
Sollten Sie gesetzlich versichert sein und trotz Überweisung Schwierigkeiten haben, zeitnah einen Termin bei einem Facharzt zu bekommen, hilft Ihnen die Terminservicestelle (TSS) der Kassenärztlichen Vereinigungen weiter. Sie erreichen diesen Service rund um die Uhr kostenlos unter der bundesweiten Rufnummer 116 117 oder online unter 116117.de. Wenn Ihr Hausarzt die Überweisung als dringend eingestuft und mit einem elffelligen Vermittlungscode versehen hat, vermittelt Ihnen die TSS garantiert innerhalb von vier Wochen einen Termin bei einem geeigneten Facharzt in zumutbarer Entfernung.
Praktische Orientierungshilfe für Patienten
Um Ihnen die Zuordnung Ihrer Symptome zu den jeweiligen Facharztrichtungen im Alltag zu erleichtern, haben wir eine übersichtliche Orientierungshilfe zusammengestellt. Diese Tabelle dient der groben Orientierung und ersetzt keinesfalls das Gespräch mit Ihrem Hausarzt.
- 1Herzrasen, Brustenge, Belastungs-Atemnot, hoher Blutdruck: Kardiologe (Facharzt für Innere Medizin)
- 2Chronischer Husten, anhaltende Kurzatmigkeit, Asthma, schwerer Infekt: Pneumologe (Facharzt für Innere Medizin)
- 3Anhaltendes Sodbrennen, wiederkehrende Magenschmerzen, Blut im Stuhl: Gastroenterologe (Facharzt für Innere Medizin)
- 4Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen, Bewegungseinschränkungen, Arthrose: Orthopäde und Unfallchirurg
- 5Kopfschmerzen, Taubheitsgefühle, Lähmungen, anhaltender Schwindel, Zittern: Neurologe
- 6Starke Niedergeschlagenheit, anhaltende Ängste, Panikattacken, Schlafstörungen: Psychiater und Psychotherapeut
- 7Auffällige Muttermale, juckende Ausschläge, chronisch trockene Haut, Haarausfall: Dermatologe (Hautarzt)
- 8Hörverschlechterung, Pfeifen im Ohr (Tinnitus), anhaltender Schwindel, Mandelentzündung: HNO-Arzt
- 9Verschlechterung des Sehvermögens, gerötete Augen, Fremdkörpergefühl: Augenarzt
- 10Schmerzen beim Wasserlassen, Blut im Urin, Nierenschmerzen, Prostatabeschwerden: Urologe
Wichtiger Hinweis: Die in diesem Ratgeber bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der Orientierung und der allgemeinen Information. Sie ersetzen in keinem Fall die persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch eine qualifizierte Ärztin oder einen qualifizierten Arzt. Bei gesundheitlichen Beschwerden sollten Sie stets ärztlichen Rat einholen.
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Häufige Fragen
?Benötige ich für jeden Facharztbesuch eine Überweisung des Hausarztes?
Nein, es ist nicht für alle Fachrichtungen zwingend erforderlich. Sie können Fachärzte wie Gynäkologen, Augenärzte, Kinderärzte oder Zahnärzte grundsätzlich direkt und ohne Überweisung aufsuchen. Für andere Fachdisziplinen, insbesondere für diagnostische Fachärzte wie Radiologen (für MRT/CT), Nuklearmediziner oder Laborärzte, ist eine Überweisung jedoch gesetzlich zwingend vorgeschrieben. Dennoch empfiehlt sich eine Überweisung fast immer, da sie dem Spezialisten wertvolle Vorinformationen liefert und sicherstellt, dass Ihr Hausarzt einen Befundbericht erhält, wodurch Ihre Krankenakte vollständig bleibt.
?Was ist die Terminservicestelle 116 117 und wie hilft sie mir?
Die Terminservicestelle (TSS) ist ein gesetzlich verankerter Service der Kassenärztlichen Vereinigungen in Deutschland. Sie unterstützt gesetzlich versicherte Patienten dabei, zeitnah Termine bei Fachärzten, Hausärzten, Kinderärzten sowie Psychotherapeuten zu erhalten. Sie ist rund um die Uhr kostenlos telefonisch unter der Rufnummer 116 117 oder online erreichbar. Wenn Sie eine Überweisung mit einem elffelligen Vermittlungscode von Ihrem Hausarzt erhalten haben, vermittelt Ihnen die TSS garantiert innerhalb von 28 Tagen einen Termin. Liegt kein Code vor, hilft die TSS dennoch bei der regulären Terminsuche, allerdings ohne die gesetzliche Fristgarantie.
?Was unterscheidet einen Internisten von einem Allgemeinmediziner?
Obwohl beide Mediziner als Hausärzte arbeiten können und die hausärztliche Versorgung abdecken, unterscheidet sich ihre Weiterbildung. Der Facharzt für Allgemeinmedizin durchläuft eine extrem breit gefächerte Ausbildung, die neben der Inneren Medizin auch Pflichtabschnitte in der Chirurgie, der Kinderheilkunde sowie der Orthopädie umfasst, um Patienten jeden Alters ganzheitlich betreuen zu können. Der Internist (Facharzt für Innere Medizin) hingegen konzentriert sich in seiner fünfjährigen Weiterbildung ausschließlich auf die inneren Organe, den Stoffwechsel und das Herz-Kreislauf-System, verfügt dort jedoch über eine noch tiefere Spezialisierung.
?Wie lange muss man in Deutschland durchschnittlich auf einen Facharzttermin warten?
Die Wartezeiten hängen stark von der Fachrichtung, der Dringlichkeit der Beschwerden und der jeweiligen Region ab. Während man in Ballungsräumen bei manchen Fachärzten innerhalb weniger Tage einen Termin bekommt, kann es in ländlichen Regionen oder bei stark nachgefragten Fachdisziplinen (wie Rheumatologie, Dermatologie oder Endokrinologie) mehrere Wochen oder sogar Monate dauern. Bei akuten oder dringenden Beschwerden sollte Ihr Hausarzt direkt Kontakt mit einer Facharztpraxis aufnehmen (sogenannter Hausarzt-Vermittlungsfall) oder Sie sollten den Service der 116 117 nutzen.
?Dürfen Fachärzte die Behandlung von Kassenpatienten ablehnen?
Vertragsärzte (Ärzte mit einer Kassenzulassung) sind gesetzlich verpflichtet, gesetzlich versicherte Patienten im Rahmen ihres Versorgungsauftrags zu behandeln. Sie dürfen eine Behandlung nur in begründeten Ausnahmefällen ablehnen. Solche Gründe sind beispielsweise eine akute Überlastung der Praxiskapazitäten (wenn die ordnungsgemäße Behandlung bereits aufgenommener Patienten gefährdet wäre), das Fehlen der fachlichen Spezialisierung für eine hochkomplexe Fragestellung oder eine tiefgreifende Störung des Vertrauensverhältnisses zwischen Arzt und Patient. Medizinische Notfälle dürfen unter keinen Umständen abgelehnt werden.
?Welche Kosten übernimmt die Krankenkasse beim Facharztbesuch?
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in Deutschland alle medizinisch notwendigen Leistungen im Rahmen der vertragsärztlichen Versorgung. Dazu gehören Untersuchungen, Beratungen, medizinische Eingriffe sowie die Verordnung zugelassener Medikamente. Manche Fachärzte bieten darüber hinaus sogenannte Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) an. Das sind Leistungen, die medizinisch nicht zwingend notwendig sind (z. B. zusätzliche Ultraschalluntersuchungen ohne Verdacht). Die Kosten für IGeL-Leistungen müssen vom Patienten selbst getragen werden. Ein seriöser Arzt muss Sie vorab schriftlich über die Kosten aufklären.